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Die Anfänge


Wie die Geschichte der Kalkhorster Straße 13 begann

„Die Abriegelung West-Berlins vom Osten durch den Bau der Mauer am 13. August 1961 hatte mit einem Schlage für die Bauwirtschaft einen Verlust von rund 3.000 Arbeitskräften, die als Grenzgänger vom Osten in West-Berlin tätig waren, zur Folge. Dieser Aderlass konnte nur durch verstärkte Anwerbung aus der Bundesrepublik ausgeglichen werden. Voraussetzung hierfür war aber die Schaffung von gut ausgestatteten modernen Unterkünften“, berichtet die Chronik der Fachgemeinschaft Bau 1973 zum 25 jährigen Bestehen des Bauverbands. Im Kapitel zur Liegenschaftsentwicklung wird die Geschichte der Kalkhorster Straße 13 erzählt.

Während andere Institutionen noch diskutierten, hatte die Fachgemeinschaft Bau Anfang 1963 bereits damit begonnen, nach Plänen von Architekt und Baumeister Heinz Paulisch ein Arbeiter-Wohnheim, überwiegend mit Einzelzimmern, auf einem abgetrennten Teil des Lehrbauhofs am Trachenbergring in zwei Bauabschnitten zu errichten. Bereits am 1. April 1964 konnte der erste Teil und am 15. August 1965 der letzte Teil in Betrieb genommen werden.

Auf Anregung der Fachgemeinschaft Bau hatte sich die Zusatzversorgungskasse des Baugewerbes VVaG (ZVK), Wiesbaden, ebenfalls entschlossen, in Berlin Wohnheime für auswärtige Arbeitnehmer des Baugewerbes zu errichten. In den Jahren 1965/66 entstanden auf einem vom Bund für diese Zwecke zu sehr günstigen Bedingungen zur Verfügung gestellten Grundstück in Berlin-Wilmersdorf, Rudolstädter-/Ecke Kalischer Straße ein Arbeitnehmer Wohnheim mit 155 Bettplätzen (heute enjoy-Hotel) und ein Angestellten-Wohnheim mit 25 Ein-Zimmer-Appartements, einer 2- und einer 3-Zimmer-Wohnung. Da der Betrieb derartiger Wohnheime außerhalb des Arbeitsbereiches der ZVK lag, bot sie im Jahre 1970 der Fachgemeinschaft Bau beide Wohnheime zum Erwerb an.

Der Bauverband übernahm die Objekte zum 1. Januar 1971. Das Angestellten-Wohnheim auf dem Grundstück Kalischer Straße 36/Kalkhorster Straße 13 in einer Größe von 860m² war ausschließlich aus eigenen Mitteln der ZVK errichtet worden. Sie stellte der Fachgemeinschaft Bau für einen Teilbetrag eine Kaufpreishypothek zur Verfügung, der Rest musste von der Fachgemeinschaft Bau bar entrichtet werden. Die erforderlichen Eigenmittel wurden von der Fachgemeinschaft Bau durch eine Sonderumlage bei den Mitgliedsbetrieben aufgebracht.

Nach rund einem halben Jahrhundert war das Gebäude in vielerlei Hinsicht in die Jahre gekommen und wurde im Sommer 2017 abgerissen. Es machte damit aber Platz für etwas, dass der Stadt wieder mehr Gewinn bringt: Ein neues Wohngebäude für die Einwohner und Zugezogenen der Hauptstadt - für die zukünftigen Fachkräfte der Berliner Baubranche.

Quelle: Chronik der Fachgemeinschaft Bau 1948-1973


Westdeutsche und ausländische Bau-Arbeitnehmer 1970 

Einen wesentlichen Anteil am Beschäftigungsaufschwung der Berliner Bauwirtschaft nach 1962 erbrachte die Zuwanderung westdeutscher und ausländischer Arbeitnehmer, für die der Berliner Arbeitsmarkt durch Steuervergünstigungen und sonstige gezielte Maßnahmen interessant geworden war. Während auf dem Berliner Baumarkt im Jahre 1962 nur 767 westdeutsche und 365 ausländische Arbeitnehmer beschäftigt wurden, sind es heute ungefähr je 8.000 westdeutsche und ausländische Arbeitnehmer. Hiermit ist ein beträchtlicher bevölkerungspolitischer Dauereffekt verbunden. Die Bemühungen der Fachgemeinschaft Bau und verschiedener Baufirmen um einen verstärkten Bau von Arbeitnehmer-Wohnheimen schufen hierfür die wesentlichen Voraussetzungen. 

Quelle: Berliner Baureport 1970, Fachgemeinschaft Bau von Gross-Berlin e.V.

 

Hier finden Sie eine Beschreibung des Wohnheims.

Alte Pläne und Ansichten finden Sie hier.

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